Strategisches Risikomanagement - mehr als KonTraG

Wettbewerbsvorteil "Risikomanagement"

Unternehmenswert und Kapitalkosten als strategische Zielgrößen

Risikokategorien

Maßnahmen zur Optimierung der Risikoposition

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Wettbewerbsvorteil "Risikomanagement"

Durch das Inkrafttreten des Kontroll- und Transparenzgesetzes (KonTraG) im April 1998 wird ein Risikomanagementsystem zumindest für Aktiengesellschaften verpflichtend vorgeschrieben. Risikomanagement bietet aber weit mehr Chancen als das von KonTraG geforderte (Früh-)Erkennen bestandsgefährdender Risiken: ein systematisches Management aller wesentlichen Risiken ermöglicht erst eine wert- und erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung. Damit ist es naheliegend, die "Pflicht" des KonTraG - bei vertretbarem Mehraufwand - mit der "Kür" eines wertorientierten "Strategischen Risikomanagements" zu verbinden.
Die (unternehmenswert-)orientierte Unternehmensführung, also die Ausrichtung der Unternehmensstrategie und –planung auf das Ziel "Steigerung des Unternehmenswerts", ist zumindest bei den meisten Großunternehmen inzwischen als Grundsatz verankert. Grundlage einer Unternehmenswertberechnung ist die geplante Unternehmensentwicklung der nächsten Jahre. Die dazu notwendigen Plandaten sind natürlich mit Unsicherheit behaftet. Die Gefahr, geplante Ziele zu verfehlen bezeichnet man als Risiko. Sinnvollerweise sollten Risiken in den Planungen auch explizit berücksichtigt werden, ansonsten wird durch die Planungen ein Grad der Sicherheit suggeriert, der durch die Unsicherheit der Zukunft nicht gegeben ist.. Durch Risikoberücksichtigung können beispielsweise unterschiedliche Zukunftsszenarien betrachtet oder Auswirkungen eines Risikos auf die Ziele prognostiziert werden. Man erhält somit nicht mehr nur einwertige Plandaten, sondern kann Bandbreiten angeben innerhalb derer sich die Zielwerte bewegen. Dadurch ist es unter Umständen möglich, schon frühzeitig auf Umweltveränderungen zu reagieren und drohende Unternehmenskrisen durch Gegenmaßnahmen abzuwenden.
Daher sollte über die Einführung eines Risikomanagementsystems in allen Unternehmen nachgedacht werden – insbesondere auch in mittelständischen, weil es aufgrund des tendenziell niedrigen Eigenkapitalpolsters gerade hier wichtig ist, Unternehmenskrisen zu vermeiden.
Wichtige Teilaufgaben eines Risikomanagementsystems sind die Risikoanalyse, die Risikoaggregation und die Risikobewältigung. Bei der Risikoanalyse werden alle auf das Unternehmen einwirkenden Einzelrisiken systematisch identifiziert und anschließend hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit und quantitativen Auswirkungen bewertet. Die Risikoidentifikation muß systematisch erfolgen, um möglichst alle relevanten Risiken zu erkennen. Typischerweise werden oft "kleinere" oder unspektakuläre Risiken übersehen, die sich aber bei Eintreten schwerwiegend auf das Unternehmen auswirken können. Zu denken wäre hier zum Beispiel an das unvorhergesehene Ansteigen der Tariflöhne, Zinsänderungen oder der Ausfall wichtiger Kompetenzträger.
Zielsetzung der Risikoaggregation ist die Bestimmung der Gesamtrisikoposition der Unternehmung. Von entscheidender Bedeutung ist hier, daß Einzelrisiken häufig nicht unabhängig voneinander sind. Zu einer zusammenfassenden Analyse sind als ihre Interdependenzen explizit zu berücksichtigen. Das geeignetste Verfahren zur Risikoaggregation stellt die Monte-Carlo-Simulation dar. Hierzu werden die Wirkungen der Einzelrisiken in einem Rechenmodell des Unternehmens beispielsweise den entsprechenden Posten der GuV oder Bilanz zugeordnet. Solche Risikowirkungen werden durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen beschrieben. In unabhängigen Simulationsläufen wird mit Hilfe von Zufallszahlen ein Geschäftsjahr mehrere tausend Mal durchgespielt und jeweils eine Ausprägung der GuV oder Bilanz berechnet. Damit erhält man in jedem Simulationslauf zu einem Wert für die betrachtete Zielgröße (z.B. Gewinn oder Unternehmenswert) führt. Durch das Simulationsverfahren wird somit das komplexe Problem der analytischen Aggregation einer Vielzahl unterschiedlicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen durch eine numerische Näherungslösung ersetzt.
Aus den ermittelten Realisationen der Zielgrößen ergeben sich aggregierte Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Aus diesen kann der Value-at-Risk, als ein Höchstschaden, der mit beispielsweise 95%iger Wahrscheinlichkeit nicht unterschritten wird, ermittelt werden. Durch Sensitivitätsanalysen ist es weiterhin möglich, die wesentlichen Einflußfaktoren (Einzelrisiken) auf die Zielvariablen zu bestimmen.
Es genügt natürlich nicht, Risiken nur zu analysieren. Es müssen auch geeignete Maßnahmen getroffen werden, die Risikoposition des Unternehmens zu optimieren – nicht zu minimieren, da dadurch gleichzeitig auf Gewinnchancen verzichtet würde. Ein Unternehmen ganz ohne Risiko ist in der Realität nicht denkbar. Grundsätzlich gibt es dabei mehrere Strategien zum Umgang mit Risiken (Risikobewältigung):

Wie zu sehen ist, beschränkt sich Risikomanagement also nicht auf das Abschließen von Versicherungen. Zum Teil kann es sogar sinnvoll sein, auf Versicherungen zu verzichten und eine Verlustgefahr, aber damit eventuell auch eine Gewinnchance selbst zu tragen.
Dabei gilt folgender allgemeiner Grundsatz des Risikomanagements: Das Risikodeckungspotential – also insbesondere das Eigenkapital - eines Unternehmens sollte dem vorhandenen, selbst zu tragenden Risikoumfang entsprechen.
Wichtig für das Funktionieren des Risikomanagementsystems ist dessen Verankerung in der Organisation. Durch die sich ständig ändernden Umweltbedingungen verändert sich unter Umständen auch die Risikosituation des Unternehmens. Die Geschäftsleitung hat deshalb dafür zu sorgen, daß neue oder veränderte Risiken in das Risikomanagementsystem integriert werden. Dazu sind die Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung, da sie in der Regel Risiken zuerst wahrnehmen. Dies müssen sie der Unternehmensleitung dann auch mitteilen. Folglich muß auch die Risikokommunikation organisatorisch beispielsweise in Form eines Berichtswesens geregelt werden. Wie die organisatorische Gestaltung des Risikomanagementsystems letztlich genau aussieht, hängt vor allem von der Unternehmensgröße und dem Unternehmenstyp ab.
Das Risikomanagementsystem hat somit sicherzustellen, daß bestehenden Risiken frühzeitig identifiziert, bewertet und aggregiert werden sowie risikorelevante Informationen systematisch an die Geschäftsleitung übermittelt werden. Unternehmen, die das Management von Risiken ebenso ernst nehmen, wie das längst selbstverständliche Management von Umsätzen und Kosten werden so deutliche Wettbewerbsvorteile aufbauen und den Fortbestand der Unternehmung nachhaltig sichern.

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Unternehmenswert und Kapitalkosten als strategische Zielgrößen

Wer heute in Deutschland von Risikomanagement hört, denkt unweigerlich an das 1998 in Kraft getretene Kontroll- und Transparenzgesetz (KonTraG), das Vorstände von Aktien­gesellschaften verpflichtet, Risikomanagmentsysteme aufzubauen, die bestandsgefährdende Risiken frühzeitig erkennen. Bei dieser verengten Sichtweise auf formale, organisierte Risikomanagementsysteme und nur die bestandsgefährdende Risiken kommt die ökonomische Bedeutung von Risiken als maßgeblicher Determinante des Unter­nehmenserfolgs oft erwas zu kurz:

An der Börse drücken sich die gesamten erwarteten zukünftigen Erträge eines Unternehmens im Börsenkurs (bzw. dem Unternehmenswert) aus. Es ist naheliegend, den Wert des Unternehmen, der die gesamten Zukunftsperspektiven des Unternehmens einbezieht, anstelle des aktuellen Periodengewinns als Maßstab für die Beurteilung des Erfolgs von Unternehmen heranzuziehen. Man betrachtet bei diesem Ansatz, dem Shareholder-Value-Konzept, ein Unternehmen aus Sicht eines Kapitalgebers: Er ist nur daran interessiert, den Wert seiner Kapitalanlage “Unternehmen” zu steigern - analog einem Aktionär der steigende Aktienkurse erwartet.

Der Wert eines Unternehmens hängt dabei insbesondere von zwei unternehmensspezifischen Faktoren ab: Ertrag und Risiko. Da die Kapitalanleger risikoavers sind, werden sie ein risikoreicheres Unternehmen nur dann so hoch bewerten wie ein risikoärmeres, wenn die Erträge höher sind; höheres Risiko muß “bezahlt” werden.

Diese "Erträge" sollten jedoch nicht - wie häufig zu sehen - durch die handels- oder steuerbilanziellen Gewinne spezifiziert werden, weil diese durch bilanzpolitische Maßnahmen manipulierbar sind. Außerdem wird der Investitionsaufwand zur Realisierung der zukünftigen Erträge nicht berücksichtigt. Als Grundlage für die Unternehmensbewertung ist deshalb der sogenannte "freie Cash-Flow" besser geeignet, der die Finanzmittel darstellt, die an Eigen- und Fremdkapitalgeber ausgeschüttet werden können. Er läßt sich berechnen als operatives Unternehmensergebnis (d.h. ohne Abzug von Zinsaufwendungen!) nach unternehmensbezogenen Steuern zuzüglich nichtzahlungswirksamer Aufwendungen (insbesondere Abschreibungen) minus sämtlicher Investitionen in Sachanlagen und Working Capital (Anstieg von Forderungen aus Lieferung und Leistung sowie der Vorräten). Hier wird also berücksichtigt, daß ein gewisser Teil der Gewinne für Investitionen im Unternehmen verbleiben muß, um die Erträge langfristig zu sichern. Die dafür erforderlichen Finanzmittel stehen den Kapitalgebern nicht zur Verfügung.

Formal ist der Wert eines Unternehmens somit zusammenfassend als die Summe seiner mit der erwarteten, risikoabhängigen Kapitalkosten diskontierten, zukünftigen freien Cash-Flows abzüglich des Werts des Fremdkapitals zu definieren.

Ergänzend ist anzumerken, daß die Risikoanalyse auch die Grunddaten für eine Optimierung der Kapitalallokation in einem Unternehmen liefert. Gemäß dem Shareholder-Value-Ansatz ist der Kapitaleinsatz in Geschäftsfeldern oder Beteiligungen genau dann sinnvoll, wenn die erwartete Rendite (z.B. gemessen mit Hilfe des CFROI) größer als die gewichteten Kapitalkosten (WACC) ist. Die Kapitalkosten ergeben sich als Durchschnitt der Kosten für Eigen- und Fremdkapital. Da die Eigenkapitalkosten (und eventuell auch die Fremdkapitalkosten) risikoabhängig sind, ist eine fundierte Risikomessung unumgänglich. Von besonderer Bedeutung sind hierbei gemäß der üblichen Kapitalmarkttheorien - vgl. z.B. das Capital-Asset-Pricing-Modell - sogenannte „systematische Risiken“, die (unterschiedlich stark) alle Unternehmen betreffen und somit auch in großen Portfolios nicht „wegdiversifiziert“ werden können. Hierzu zählen insbesondere Zinsänderungsrisiken sowie konjunkturelle Risiken (Preis- und Absatzmengenschwankungen). Daneben ist die Kostenstruktur und natürlich die Finanzierungsstruktur relevant.

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß Risikomanagment weit mehr Chancen bietet als das von KonTraG geforderte (Früh-)Erkennen bestandsgefährdender Risiken: ein syste­matisches Management aller wesentlichen Risiken ermöglichst erst eine wert- und erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung. Damit ist es naheliegend die „Pflicht“ des KonTraG - bei vertretbaren Mehraufwand - mit der „Kür“ eines wertorientierten „Strategischen Risikomanagments“ zu verbinden.

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Risikokategorien

Risiken sind die aus der Ungewißheit der Zukunft resultierenden, durch „zufällige“ Störungen verursachten Gefahren, geplante Ziele zu verfehlen. Häufig wird ein Maß für die Höhe eines Risikos auf Basis des Produktes von „Abweichungsumfang“ (=„Schaden“) und der zugehörigen Wahrscheinlichkeit verwendet. Risiken entsprechen somit mathematisch weitgehend der Standardabweichung des Erwartungswertes der betrachteten Zielvariable (also z.B. der Eigen- oder Gesamtkapitalrendite). Alternativ oder zumindest ergänzend kann man Risiken auch als sogenannten Value-at-Risk - eine Art “wahrscheinlicher Höchstschaden” - messen. Der Value-at-Risk (VaR), der sich unmittelbar aus der Schadensverteilung ableiten läßt, ist dabei definiert als Schadenshöhe, die in einem bestimmten Zeitraum („Halteperiode“, z.B. ein Jahr) mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit („Konfidenzniveau“, z.B. 95%) nicht überschritten wird.

Unabhängig vom gewählten Risikomaß kann man zur Strukturierung des Gesamtrisikos eines Unternehmens zunächst folgende inhaltliche Unterscheidung in vier Hauptkomponenten vornehmen:

(A) Marktrisiko

Primärer Ausgangspunkt der unternehmerischen Risiken ist der Markt, weil die zukünftigen Umsätze nicht sicher bekannt sind. Je unsicherer die zukünftigen Umsätze prognostizierbar sind (i.d.R. also, wenn sie sehr stark schwanken), desto höher das Marktrisiko. Konjunktur- oder modeabhängige Branchen und solche ohne langfristigen Lieferverträge oder mit starken Änderungen oder ungünstigen Ausprägungen der Wettbewerbskräfte sind tendenziell riskanter. Marktrisiken werden ermittelt durch

(B) Leistungsrisiko

In diese Kategorie der Leistungsrisiken gehören insbesondere Risiken, die mit der Leistungserstellung und den dafür eingesetzten Ressourcen in Zusammenhang stehen, also z.B. Feuerschäden, Maschinenausfall oder Arbeitsunfälle. Im Gegensatz zu den nachfrageseitigen Marktrisiken umfassen sie die angebotsseitigen Risiken, die zu einem teilweisen oder vollständigen Ausfall der Leistungserstellung (Produktion) oder zumindest zu ungeplanten Erhöhungen der Leistungserstellungskosten führen.

(C) Kostenstrukturrisiko ("Operating Leverage")

Die Höhe der Auswirkungen des Marktrisikos auf die Unternehmensgewinne, also das sogenannte Kostenstrukturrisiko, hängt von der Kostenstruktur ab. Entscheidend ist, wie schnell die Kosten bei rückläufigen Umsätzen abgebaut werden können. Etwas vereinfachend kann man deshalb den Anteil der Fixkosten am Umsatz als Maß für das Kostenstrukturrisiko ansehen. Je höher der relative Anteil variabler, also umsatzabhängiger Kosten ist, desto ungefährlicher ist ein Umsatzrückgang, weil dann auch die Kosten deutlich sinken. Bei einem (theoretischen) Unternehmen das nur variable Kosten hat, haben Umsatzschwankungen keine Auswirkungen auf die Gewinne; das Kostenstrukturrisiko ist dann Null.

(D) Finanzstrukturrisiko ("Financial Leverage")

Die Auswirkungen der Gewinnschwankungen auf die Rentabilität des Unternehmens (bzw. auf den Unternehmenswert) hängt von der Kapitalbindung und der Finanzierungsstruktur ab. Bei einer geringen Eigenkapitalquote (zu Marktpreisen) sind die Wirkungen von Gewinnschwankungen besonders gravierend. Von entscheidender Bedeutung ist, daß sich die vier Haupt-Risikokomponenten - wie man mathematisch zeigen kann - etwa multiplikativ verstärken. Dies hat beispielsweise zur Konsequenz, das Unternehmen mit einem hohen Marktrisiko besonders bestrebt sein sollten, Kostenstruktur- und Finanzstrukturrisiko zu reduzieren, um das Gesamtrisiko in akzeptablen Grenzen zu halten. Konkret könnte dies in der Praxis bedeuten, daß das Unternehmen den Fixkostenanteil durch Outsourcing und eine Reduzierung der Fertigungstiefe senkt und die Eigenkapitalquote erhöht.

Die folgende Übersicht zeigt in einer vergleichenden Darstellung die Ausprägung der wesentlichsten Risikokategorien in verschiedenen Branchen:


Branche Marktrisiko Leistungsrisiko Kostenstrukturrisiko Finanzstrukturrisiko Gesamt
Bauwirtschaft hoch hoch hoch (52%) sehr hoch (x17) sehr hoch
Einzelhandel niedrig niedrig niedrig (30%) sehr hoch (x30) hoch
Chemische Industrie mittel mittel hoch (54%) niedrig (x2,5) niedrig
Maschinenbau hoch mittel hoch (53%) mittel (x5) hoch
Ernährungsgewerbe niedrig mittel mittel (40%) mittel (x5) mittel
Deutsche Wirtschaft mittel mittel mittel (38%) mittel (x5,5) mittel

Es ist offensichtlich, daß beispielsweise die Baubranche mit branchenbedingt hohen Markt- und Leistungsrisiken (z.B. starke Absatzschwankungen, hohe Risiken von Kalkulationsfehlern oder witterungsbedingten Bauverzögerungen) diese hohe Risikoposition nicht durch eine entsprechend hohe finanzielle Stabilität (geringes Finanzstrukturrisiko) auffangen kann. Die hohe Anzahl von Konkursen in dieser Branche ist bei dieser Risikoposition nicht verwunderlich.

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Maßnahmen zur Optimierung der Risikoposition

In komplexen Systemen ist es jedoch kaum möglich, alle entsprechenden Risiken tatsächlich zu eliminieren, ohne auch die Gewinnchancen aufzugeben. Genau wie mit Umsätzen und Kosten muß sich eine Unternehmensführung auch mit Risiken befassen. Grundsätzlich gibt es mehrere Strategien zum Umgang mit Risiken (Risikobewältigung):

1. Risikovermeidung (z.B. Ausstieg aus "gefährlichem" Geschäftsfeld)

2. Risikoreduzierung durch

3. Überwälzen von Risiken (z.B. durch eine Versicherung, geeignete Verträge mit Kunden und Lieferanten)

4. Risiko selbst tragen (und Schaffung eines adäquaten Risikodeckungspotentials, i.d.R. in Form von Eigenkapital- und Liquiditätsreserven)
 

Dabei gilt folgender, allgemeiner Grundsatz des Risikomanagements: Das Risikodeckungspotential eines Unternehmens, also primär das Eigenkapital, sollte dem vorhandenen, selbst zu tragenden Risikoumfang (Risikoposition oder RiskExposure) entsprechen. Nicht Minimierung des Risikos, sondern Optimierung des Chancen-Risiko-Profils ist also anzustreben, weil Unternehmertum ohne Risiko undenkbar ist. Im Rahmen eines strategischen Risikomanagements ist dabei auf eine ausgewogene Ausprägung von Markt-, Leistungs-, Kosten- und Finanzstrukturrisiko hinzuwirken. Die folgende Übersicht zeigt dazu einige beispielhafte Ansatzpunkte für eine strukturelle Reduzierung des Unternehmensrisikos:
 

Finanzieller und leistungswirtschaftlicher Bereich:

Marketing: Organisation, Führung, Planung: Besonders deutliche Veränderungen der Risikoposition eines Unternehmens ergeben sich nicht so sehr durch operative Einzelmaßnahmen (wie z.B. zusätzliche Versicherungen oder Verbesserung der Bandschutzes) sondern durch strukturelle bzw. strategische Umgestaltung eines Unternehmens, seiner Produktionsprozesse und seiner Marktposition. Da solche Maßnahmen des Risikomanagements fast immer zugleich Kostensituation, Umsatz oder Wettbewerbsposition des Unternehmens wesentlich beeinflussen, müssen sie auf andere Aspekte einer Unternehmensstrategie abgestimmt werden. Risikomanagement wird so zu einem zentralen, nicht isolierbaren Bestandteil einer umfassenden Strategischen Unternehmensplanung. Ein sinnvolles Risikomanagement ohne eine detaillierte Betrachtung der Strategie eines Unternehmens ist kaum vorstellbar. Wirklich bestandsgefährdende Risiken sind nämlich immer diejenigen, die eine mögliche Verfehlung der wichtigsten, nämlich strategischen Ziele des Unternehmens betreffen. Schon aus der Definition des Risikos ergibt sich, daß ohne Kenntnis der wesentlichen Unternehmensziele eine Ermittlung von Risiken grundsätzlich nicht möglich ist.

Ó WIMA GmbH

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