Balanced Scorecard: Idee und Umsetzung


Strategische Grundlagen

Die Idee der Balanced Scorecard

Inhalte einer Balanced Scorecard

Der Aufbau einer Balanced Scorecard in der Unternehmenspraxis

Ausblick und Bewertung


Strategische Grundlagen

Wichtigste Zielsetzung der Unternehmensstrategie - oder überhaupt eines Unternehmens - ist es, "Erfolgspotentiale" aufzubauen und zu erhalten. Ein Erfolgspotential ist die besondere Fähigkeit, mit der ein Unternehmen mittel- bis langfristig Gewinne erzielen kann. Dies können vom Kunden wahrnehmbare Wettbewerbsvorteile (z.B. guter Service) sein oder aber gar eine langfristig wirksamere Kernkompetenz mit deren Hilfe zukünftig Wettbewerbsvorteile generiert werden.

Genau wie der Erfolg eines Unternehmens mittels steigender Gewinne letztendlich eine notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Bedingung für eine günstige Liquiditätsentwicklung ist, sind Erfolgspotentiale die Voraussetzung für zukünftige Gewinne.

Erfolgspotentiale => Gewinn => Liquidität

Die strategische Unternehmensplanung ist eine zentrale Aufgabe der Geschäftsführung, die - trotz aller Belastungen durch das Tagesgeschäft - keinesfalls vernachlässigt werden darf. Eines der interessantesten Instrumente, das der Geschäftsführung bei der Erfüllung dieser Aufgabe hilft, ist die "Balanced Scorecard".

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Die Idee der Balanced Scorecard

Neben einem operativen und meist primär rechnungswesenorientierten Kennzahlensystem bietet sich ergänzend die Einführung einer "Balanced Scorecard" als "Strategisches Managementsystem" an (vgl. dazu R.S. Norten und D.P. Kaplan, Balanced Scorecard, 1997). Ein solches strategisch orientiertes Management- und Kennzahlensystem, ist ein sehr gut geeignetes Instrument zur Umsetzung von Unternehmensstrategien, also insbesondere zur gezielten Steuerung von Erfolgspotentialen. Neben den üblichen finanziellen Kennzahlen (z.B. Rentabilität), die im Endeffekt nur die Ergebnisse der unternehmerischen Tätigkeit zeigen, werden auch Kennzahlen einbezogen und durch gezielte Maßnahmen gesteuert, die zukünftig diese finanziellen Kennzahlen beeinflussen, also "Leistungstreiber" (leading indicators) darstellen. Dazu gehören zunächst Kennzahlen zur Beschreibung der Wettbewerbsposition (Kundenperspektive, z.B. Marktanteil, Kundentreue, Kundenzufriedenheit). Außerdem werden Kennzahlen zur interne Stärke, also insbesondere der Effizienz der Arbeitsprozesse betrachtet (Interne Perspektive, z.B. Arbeitseffizienz, Ausschußquote). Der Konzeption der Kernkompetenzen folgend, runden Kennzahlen zur Mitarbeiterperspektive (Mitarbeiterzufriedenheit, Qualifikation, Zugriff zu Informationssystemen) eine Balanced Scorecard ab, weil diese einen Hinweis über mitarbeiterbezogene Kompetenzen des Unternehmens liefern, um auch zukünftig Wettbewerbsvorteile und interne Effizienz sichern zu können.

Eine Balanced Scorecard zeigt zudem explizit die angenommenen kausalen Abhängigkeitsbeziehungen zwischen den einzelnen Kennzahlen – also die Geschäftslogik - auf. Es zwingt dazu, eine Strategie mit allen strategischen Kennzahlen – wie Marktattraktivität, Kundentreue, Mitarbeiterzufriedenheit oder Arbeitseffizienz - zu operationalisieren, also meßbar zu machen und zeigt, über welche Wirkungswege geplante Maßnahmen Wirkung zeigen sollen. So wird auch die Kommunizierbarkeit der Strategie verbessert, außerdem werden Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie unmittelbar erkennbar. Möglich wird es sogar eine an den Unternehmensinteressen, nämlich den festgelegten strategischen Kennzahlen, ausgerichtete Mitarbeiterbezahlung einzuführen. Die Bezahlung eines Mitarbeiters wird so beispielsweise auch bei einer Zunahme der Kundenzufriedenheit steigen, wenn die Verbesserung dieser Kennzahl zu seinen Aufgaben gehört.

Zusammenfassend kann man die Vorteile einer Balanced Scorecard folgendermaßen beschreiben:

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Inhalte einer Balanced Scorecard

Im Kern besteht eine Balanced Scorecard aus Kennzahlen, denen Strategische Ziele und Zielwerte zugeordnet sind (vgl. das folgende Beispiel). Neben den einzelnen Kennzahlen werden aber ergänzend – beispielsweise als Pfaddiagramm – deren kausale Verknüpfungen aufgezeigt und begründet.

     
    Balanced Scorecard
    gemäß Kaplan/Norton (vereinfachtes Beispiel)
    Kennzahl
    Strategisches Ziel
    Zielwert
    verantwortlich
    Finanzperspektive      
    CFROI      
    Kundenperspektive      
    Kundenzufriedenheit      
    Kundentreue      
    Neukundenkontakte      
    Marktanteil      
    Interne Perspektive      
    Arbeitsproduktivität      
    Ausschußquote      
    Lern- und Entwicklungsperspektive      
    Weiterbildungsaktivitäten      
    Mitarbeiterzufriedenheit      
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Der Aufbau einer Balanced Scorecard in der Unternehmenspraxis

Der Aufbau einer Balanced Scorecard setzt voraus, daß die Strategie eines Unternehmens bereits in den Grundzügen geklärt ist. Eine bewährte Vorgehensweise bei der Konzeption und Einführung ist nachfolgend erläutert.

(a) Analyse der Strategie und Konzeption der Balanced Scorecard

Im Rahmen eines meist zweitägigen Workshops wird zunächst die bisherige Strategie des Unternehmens und die ihr zugrundeliegenden Annahmen über zentrale Erfolgsfaktoren ("Geschäftslogik") zusammenfassend festgehalten und dabei gemeinsam auf Vollständigkeit, Konsistenz und Plausibilität geprüft. Insbesondere werden Strategische Ziele, Strategische Maßnahmen und Annahmen zu den folgenden zentralen Strategiefeldern erfaßt:

Anschließend werden die Grundaussagen der Strategie in einer Balanced Scorecard abgebildet und so die Grundlage für das zukünftige Strategische Controlling gelegt. In einem ersten Entwurf werden zudem die wesentlichen Kennzahlen in kausale Abhängigkeit gebracht, um "kritische Variablen" der Strategie aufzuzeigen.

(b) Operationalisierung der Balanced Scorecard

In vier meist eintägigen Workshops werden die vier Perspektiven ("Kennzahlenbereiche") der Balanced Scorecard, also

näher analysiert. Dabei werden die jeweils relevanten Kennzahlen und die Hypothesen über ihre kausalen Beziehungen festgelegt. Zudem werden die ausgewählten Kennzahlen operationalisiert und es wird diskutiert, welche für die Kennzahlenbildung erforderlichen Informationen im Unternehmen noch nicht verfügbar sind. Schließlich werden für jede Perspektive folgende Angaben festgehalten: Strategische Ziele, Kennzahlen, Zielwerte und zugehörige strategische Maßnahmen.

(c) Überarbeitung der Balanced Scorecard - Umsetzungskonzept

In einem weiteren eintägigen Workshop mit der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand des Unternehmens werden die Vorarbeiten (vgl. (b)) zusammengefaßt und ergänzt. Die gesamte in der Balanced Scorecard beschriebene strategische Planung wird dabei nochmals auf Plausibilität, Konsistenz, Zielwirksamkeit und Durchführbarkeit überprüft. Zudem werden Prioritäten für die Aktivitätenpläne gesetzt.

In einem abschließenden zweitägigen Workshop werden schließlich die strategischen Maßnahmen des Aktivitätenplanes durch Benennung von Verantwortlichen und Umsetzungsterminen konkretisiert. Außerdem werden Ideen für ein strategiekonformes Anreizsystem (Mitarbeiterentlohnung, Prämien) diskutiert. Schließlich wird der Entwurf eines Vorgehensplanes zur Kommunikation der Unternehmensstrategie bzw. der Balanced Scorecard bei den Mitarbeitern des Unternehmens erarbeitet. Auf Grundlage der Workshops werden schließlich die Eckpunkte der Unternehmensstrategie und der Entwurf der Balanced Scorecard schriftlich zusammengefaßt. Auf Wunsch kann auch eine rechnergestützte Version der Balanced Scorecard erstellt werden.

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Ausblick und Bewertung

Mit der Balanced Scorecard steht Unternehmen ein vielfach erprobtes Instrument zur Verfügung, daß die Lücke zwischen der "theoretischen Planung" einer Strategie und deren "praktischer Umsetzung" schließen hilft. Das Instrument ist so flexibel, daß sich die Anforderungen unterschiedlichster Unternehmen und deren Strategie erfüllen lassen.

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