Betriebswirtschaftlicher Kennzahlen

(1) Kennzahlen zur Rentabilität


Die Ertragsanalyse untersucht, ob das Unternehmen in der Vergangenheit eine Rendite erwirtschaftet hat, die unter Berücksichtigung des unternehmerischen Risikos und der Rendite von alternativen Kapitalanlagen (z.B. Anleihen) eine Investition in dieses Unternehmen als ökonomisch sinnvoll erscheinen läßt.

Als durchschnittliches Gesamtkapital wird der Durchschnitt der Bilanzsumme am Anfang und am Ende des Untersuchungszeitraumes angesetzt.

Die Eigenkapitalrendite drückt die Rentabilität des eingesetzten Kapitals der Eigentümer aus und sollte mindestens 11 - 14% (vgl. Alternativanlage) betragen. Sie ist wegen ihrer Abhängigkeit von der Kapitalstruktur (Leverage-Effekt) weniger geeignet zur Unternehmensbeurteilung als die Gesamtkapitalrendite.

Von besonderer Bedeutung ist es, Ursachen für Veränderungen der Rentabilität eines Unternehmens zu ermitteln, um nötigenfalls Ansatzpunkte für innerbetriebliche Verbesserungen zu erhalten. Ein einfach zu handhabendes System für eine Rentabilitätsanalyse wird nachfolgend vorgestellt.
 

(2) Kennzahlen zur finanziellen Stabilität


Die Stabilitätsanalyse untersucht das Insolvenzrisiko des Unternehmens und schätzt die Nachhaltigkeit und Kontinuität der Erträge ab, beurteilt also insgesamt das Unternehmensrisiko. Dem Ziel eines Unternehmens den Wert seiner Beteiligungen zu steigern, kann man sowohl durch eine Erhöhung der Rentabilität als auch durch eine Reduzierung des Risikos entsprechen.

Das Insolvenzrisiko eines Unternehmens hängt - sieht man von dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit (siehe Liquiditätskennzahlen) ab - entscheidend von der Eigenkapitalausstattung ab, weil das Eigenkapital das gesamte Unternehmensrisiko trägt. Alle Verluste eines Unternehmens belasten das Eigenkapitalkonto. Sobald dieses aufgezehrt ist, muß das Unternehmen Konkurs anmelden.

Die Eigenkapitalquote ist ein wichtiges Maß für die Sicherheit und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Sie sollte keinesfalls unter 15% liegen. Anzustreben ist eine Eigenkapitalquote von über 30%. Diese Kennzahl wird durch das Nichteinrechnen von stillen Reserven verfälscht.

Die Angemessenheit der Verschuldung wird - wie empirische Untersuchungen zum Konkursrisiko gezeigt haben - insbesondere durch den dynamischen Verschuldungsgrad beschrieben.
 


Diese Kennzahl drückt aus, wie viele Jahre alle Cash-Flows des Unternehmens benötigt würden, um die Netto-Verbindlichkeiten (d.h. Verbindlichkeiten minus liquide Mittel) zu tilgen. Anzustreben ist ein Wert von unter 3. In der Praxis liegt dieser Wert in Deutschland jedoch oft um 5.

Der Cash-Flow läßt sich dabei näherungsweise wie folgt abschätzen:
 

   Jahresüberschuß
+ Abschreibungen
- Zuschreibungen
+ Zuführung zu den Rückstellungen
- Auflösung von Rückstellungen
= Cash-Flow

Der Cash-Flow ist die Kennzahl, die den von einer Unternehmung erwirtschafteten Finanzmittelüberschuß beschreibt, der für Tilgung und Investitionen zur Verfügung steht. Diese Größe ist gegenüber bilanzpolitischen Maßnahmen wesentlich unempfindlicher als der Jahresüberschuß und wird daher als aussagekräftiger angesehen als die Größe Gewinn.

Zwei weitere Kennzahlen sollen hier als Indikatoren für die Krisensicherheit eines Unternehmens verwendet werden: der Kapitalumschlag und die Kapitalrückgewinnungsquote.

Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf eine hohe finanzielle Beweglichkeit des Unternehmens und eine effiziente Nutzung des Kapitals hin und mildert das Risiko des Fremdkapitals.

Während die bisher betrachteten Kennzahlen besonders für die Beurteilung des Überschuldungs- bzw. Konkursrisikos eingesetzt werden, dienen die folgenden drei Kennzahlen der Beurteilung der Nachhaltigkeit der Gewinnerzielung:

Die Umsatzrendite (UR) drückt aus, welcher Anteil des Umsatzes dem Unternehmen als Gewinn verbleibt. Sie kann als Kennzahl für Preisänderungsrisiken interpretiert werden, weil eine Umsatzrendite von z.B. 5% besagt, daß das Unternehmen einen Rückgang seiner Verkaufspreise von 5% verkraften kann, ohne in die Verlustzone zu gelangen. Eine Verbesserung der Umsatzrendite ist insbesondere durch eine Erhöhung der Verkaufspreise oder eine Kostenreduzierung möglich. Bei Unternehmen die mehrere Produkte anbieten, kann die Umsatzrendite des Unternehmens durch die Konzentration auf Tätigkeitsfelder mit höheren Umsatzrenditen erhöht werden. Dazu ist eine genaue Untersuchung der Rentabilität der Geschäftsfelder oder (z.B. bei Bauunternehmen) der Projekttypen notwendig.

Die Umsatzrendite vor Zinsen (Betriebsergebnis + Zinsaufwand) / (Umsatz + Sonstige betriebliche Erträge) ist im Gegensatz zur oben definierten Umsatzrendite nach Zinsen unabhängig von der Finanzierung des Unternehmens, also der Verschuldung. Sie ist der UR vorzuziehen, wenn es nur um die Beurteilung des eigentlichen betrieblichen Prozesses der Leistungserstellung geht.

Neben der Umsatzrendite ist der Sicherheitsgrad ein weiterer Indikator für die Nachhaltigkeit der Erträge.

Der Sicherheitsgrad drückt aus, wieviel Prozent das Unternehmen mehr umgesetzt hat, als zur Erreichung der Gewinnschwelle notwendig gewesen wäre. Den Gewinnschwellenumsatz (Break-Even-Umsatz) berechnet man, indem man die Summe aller fixen Kosten (Personalkosten, Abschreibungen, Zinsen und Sonstige Kosten) teilt durch (1 - Anteil der Material- und Fremdleistungskosten am Umsatz). Der Sicherheitsgrad ist eine Kennzahl für Risiken durch Verkaufsmengenrückgänge. Sie läßt sich im Gegensatz zur UR außer durch Preiserhöhungen und Kostenreduzierungen auch durch eine Erhöhung der Verkaufsmenge steigern. Für unternehmerische Entscheidungen besonders wesentlich ist, daß das durch den Sicherheitsgrad ausgedrückte Risiko bei gleichbleibenden Gesamtkosten auch durch eine Änderung der Kostenstruktur gesenkt werden kann. Der Sicherheitsgrad steigt, wenn fixe durch variable Kosten ersetzt werden, also z.B. die Fertigungstiefe reduziert wird (Eigenfertigung durch Fremdbezug ersetzen: "Make or Buy"). Da sowohl Risiko wie auch Gewinn den Wert und Erfolg eines Unternehmens beeinflussen, kann es durchaus sinnvoll sein, Maßnahmen zu ergreifen, die zwar die Gewinne senken, gleichzeitig aber auch das durch den Sicherheitsgrad ausgedrückte Risiko des Unternehmens reduzieren. Eine Reduzierung des Risikos, bei z.B. konjunkturell bedingtem Absatzrückgang Verluste zu erleiden, ist besonders bei einer geringen Eigenkapitalausstattung wichtig.

Die Cash-Flow-Marge gibt an, welcher Anteil der dem Unternehmen durch die Umsätze zufließenden Finanzmittel im Unternehmen verbleibt. Im Gegensatz zur Umsatzrendite wird hier der Finanzfluß betrachtet, der durch bilanzpolitische Maßnahmen weniger beeinflußbar ist als die Gewinne und deshalb oft als aussagekräftiger angesehen wird. Die Cash-Flow-Marge ist damit ein Maß für die finanzielle Beweglichkeit eines Unternehmens und drückt aus, bei welchem Rückgang der Verkaufspreise Liquiditätsengpässe auftreten (wenn von Investitionen, Tilgungen und neuen Darlehen abgesehen wird). Wie die anderen Kennzahlen auch, ist die Cash-Flow-Marge branchenabhängig. Im allgemeinen ist eine CFM von über 10% als gut anzusehen.
 

(3) Kennzahlen zur Liquidität und Finanzierungsstruktur

Zahlungsunfähigkeit ist ein Konkursgrund. Deshalb sollten immer ausreichend kurzfristig verfügbare Aktiva zum Ausgleich kurzfristiger Verbindlichkeiten vorhanden sein. Zur Vermeidung von Refinanzierungsrisiken sind langfristige Aktiva zudem auch langfristig zu finanzieren. Liquiditätskennzahlen werden durch die Gegenüberstellung von Finanzmitteln, die für Zahlungen einsetzbar sind, zu Verbindlichkeiten errechnet.


RLZ = Restlaufzeit

Die Quick-Ratio sollte zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit größer als 100% sein.

Nach der sogenannten "Goldenen Bilanzregel", die fordert, daß langfristig im Unternehmen verbleibende Vermögenswerte durch langfristig zur Verfügung stehendes Kapital finanziert werden sollen (Ausschluß des Anschlußfinanzierungsrisikos), wird ein Anlagendeckungsgrad-1 von über 100% erwartet.

Der Anlagendeckungsgrad-2, der auch das langfristige Fremdkapital (Rückstellungen und Bankdarlehen) berücksichtigt, sollte deutlich über 100% liegen (besser sind ca. 150%).

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