Kosten-und Ertragsanalyse

Die Kosten- und Ertragsanalyse stellt ein einfaches aber sehr wirksames Hilfsmittel zur Steuerung und Überwachung der betrieblichen Leistungserstellung dar. Durch den Vergleich der Kostenstruktur des eigenen Unternehmens, d.h. der Anteile der einzelnen Kostenarten an den Gesamtkosten oder am Umsatz, mit derjenigen ähnlicher Unternehmen kann man Indizien für spezifische Stärken und Schwächen erkennen. Besonders die folgenden vier aussagestarken Kennzahlen erlauben es, Änderungen der Leistungsfähigkeit und des Risikos im Unternehmen mit sehr geringem Aufwand zu überwachen; insbesondere wenn sie z.B. monatlich berechnet und im Zeitverlauf grafisch dargestellt werden. Alle vier sollten von Führungsinformationssystemen automatisch berechnet und überwacht werden.

Umsatzrendite (UR) und Umsatzrendite vor Zinsen (URvZ):

Definition:     UR = (Gewinn vor Ertragsteuern) / Umsatz
                      URvZ = (Gewinn vor Ertragsteuern + Zinsaufwand) / Umsatz

Die Umsatzrendite drückt aus, welcher Anteil des Umsatzes dem Unternehmen als Gewinn verbleibt. Sie kann als Kennzahl für Preisänderungsrisiken interpretiert werden, weil eine UR von z.B. 5% besagt, daß das Unternehmen einen Rückgang seiner Verkaufspreise um 5% verkraften kann, ohne in die Verlustzone zu gelangen. Eine Verbesserung der UR ist insbesondere durch eine Erhöhung der Verkaufspreise oder eine Kostenreduzierung möglich. Bei Unternehmen, die mehrere Produkte anbieten, kann die Umsatzrendite des Unternehmens durch die Konzentration auf Tätigkeitsfelder mit höheren Umsatzrenditen erhöht werden. Dazu ist eine genaue Untersuchung der Rentabilität der Geschäftsfelder oder (z.B. bei Bauunternehmen) der Projekttypen notwendig.

Die Umsatzrendite vor Zinsen ist im Gegensatz zur Kennzahl UR unabhängig von der Finanzierung des Unternehmens also von der Verschuldung. Sie ist der UR vorzuziehen, wenn es nur um die Beurteilung des eigentlichen betrieblichen Prozesses der Leistungserstellung geht.

Sicherheitsgrad (SG):

Definition: SG = (Umsatz / Break-Even-Umsatz) - 1

Der Sicherheitsgrad drückt aus, wieviel Prozent das Unternehmen mehr umgesetzt hat als zur Erreichung der Gewinnschwelle notwendig ist. Den Gewinnschwellenumsatz (Break-Even-Umsatz) berechnet man, indem man die Summe aller fixen Kosten (Personalkosten, Abschreibungen, Zinsen und Sonstige Kosten) teilt durch (1 - Anteil der Material- und Fremdleistungskosten am Umsatz). SG ist eine Kennzahl für Risiken durch Verkaufsmengenrückgänge. Sie läßt sich im Gegensatz zur UR außer durch Preiserhöhungen und Kostenreduzierungen auch durch eine Erhöhung der Verkaufsmenge steigern. Für unternehmerische Entscheidungen besonders wesentlich ist, daß das durch den SG ausgedrückte Risiko bei gleichbleibenden Gesamtkosten auch durch eine Änderung der Kostenstruktur gesenkt werden kann. Der SG steigt, wenn fixe durch variable Kosten ersetzt werden, also z.B. die Fertigungstiefe reduziert wird (Eigenfertigung durch Fremdbezug ersetzen). Da sowohl Risiko als auch Gewinn den Erfolg und Wert eines Unternehmens beeinflussen, kann es durchaus sinnvoll sein, Maßnahmen zu ergreifen, die zwar die Gewinne senken, gleichzeitig aber auch das durch den Sicherheitsgrad ausgedrückte Risiko des Unternehmens reduzieren. Eine Reduzierung des Risikos, z.B. bei konjunkturell bedingtem Absatzrückgang Verluste zu erleiden, ist besonders bei einer geringen Eigenkapitalausstattung wichtig.

Wie bei der UR kann man bei der Berechnung des Break-Even-Umsatzes auch die Zinszahlungen unberücksichtigt lassen und sich so auf die finanzierungsunabhängige Analyse der betrieblichen Leistungsprozesse konzentrieren.

Cash-Flow-Marge (CFM):

Definition: CFM = (Gewinn nach Steuern + Abschreibungen + Zuführung zu den Rückstellungen) / Umsatz

Die Cash-Flow-Marge gibt an, welcher Anteil der dem Unternehmen durch die Umsätze zufließenden Finanzmittel im Unternehmen verbleibt. Im Gegensatz zur Umsatzrendite wird hier der Finanzfluß betrachtet, der durch bilanzpolitische Maßnahmen weniger beeinflussbar ist als die Gewinne und deshalb oft als aussagefähiger angesehen wird. Die Cash-Flow-Marge ist damit ein Maß für die finanzielle Beweglichkeit eines Unternehmens und drückt aus, bei welchem Rückgang der Verkaufspreise Liquiditätsengpässe auftreten (wenn von Investitionen, Tilgungen und neuen Darlehen abgesehen wird). Wie die anderen Kennzahlen auch, ist die Cash-Flow-Marge branchenabhängig. Im allgemeinen ist eine CFM von über 10% als gut anzusehen.

Die Aussagekraft der Cash-Flow-Marge kann noch verbessert werden, indem beispielsweise ein Sicherheitsgrad auf Cash-Flow-Basis berechnet wird oder der Cash-Flow durch den geeigneteren "freien Cash-Flow" ersetzt wird, der um notwendige Investitionen in Anlage- und Umlaufvermögen (z.B. Änderung der Forderungsaußenstände) korrigiert ist.

Spezifischer Deckungsbeitrag (SD):

Definition: (Umsatz - Kosten für Material und Fremdleistungen) / Personalkosten

Der spezifische Deckungsbeitrag mißt - besser als z.B. der Umsatz pro Beschäftigten - die Produktivität des Personaleinsatzes. Änderungen des spezifischen Deckungsbeitrages können durch Veränderungen der Auslastung des Unternehmens, der Arbeitsorganisation oder -motivation aber auch durch überzogene Gehaltserhöhungen verursacht werden. Bei einer stetigen Verschlechterung des spezifischen Deckungsbeitrages muß nach den genauen Ursachen gesucht werden, weil sich hier möglicherweise eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit abzeichnet.

Der folgenden Tabelle können Sie die Kennzahlen für einige beispielhafte Branchen entnehmen:
 

 
UR
URvZ
SG
CFM
SD
GKR*
Steine / Erden
6,4%
8,6%
12,5%
12,8%
254%
12,4%
Maschinenbau
2,9%
4,8%
5,5%
5,9%
175%
6,6%
Elektrotechnik
3,6%
5,0%
7,5%
9,8%
179%
6,4%
Chemische Industrie
5,1%
6,4%
10,4%
9,5%
222%
7,9%
Baugewerbe
3,4%
5,1%
6,7%
6,4%
159%
6,8%
Großhandel
2,2%
3,7%
11,7%
3,4%
282%
9,9%
Einzelhandel
2,8%
4,7%
10,1%
4,3%
252%
12,3%
 
 
*) GKR = Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn vor Ertragsteuer + Zinsen) / Bilanzsumme; Quelle: Deutsche Bundesbank, 1993, Jahresabschlüsse westdeutscher Unternehmen von 1971 bis 1991; für obige Tabelle wurden die Zahlen des Jahres 1991 verwendet; näherungsweise wurden anstelle der Umsätze die gesamten Erträge sowie als variable Kosten die Materialkosten zur Berechnung der Kennzahlen herangezogen.