Gewinne

Die Unternehmensgewinne sind die Zielgröße der unternehmerischen Tätigkeit und zugleich Streitobjekt wirtschafts- und tarifpolitischer Auseinandersetzungen.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Frage zu stellen, welche Rechtfertigung es für Unternehmensgewinne gibt. Grundsätzlich haben Gewinne drei wichtige volkswirtschaftliche Funktionen:
 

   

Unternehmensgewinne sind somit eine notwendige Belohnung für den effizienten Einsatz von Kapital zur Schaffung von Arbeitsplätzen und für die Übernahme von unternehmerischen Risiken und folglich eine wichtige Voraussetzung für jede erfolgreiche Volkswirtschaft und nicht - wie manche Gewerkschaftsfunktionäre scheinbar meinen - ein Zeichen für die Ausbeutung der Arbeitnehmer. Der Gewinn eines Unternehmers muß - damit sich die unternehmerische Tätigkeit lohnt - mindestens einer marktüblichen Bezahlung seiner Arbeitskraft (kalkulatorischer Unternehmerlohn) und der Verzinsung seines eingesetzten Kapitals (inklusive Risikozuschlag ca. 12% Kapitalverzinsung) entsprechen. Sollten die Gewinne - z.B. wegen zu hoher Lohn- bzw. Lohnnebenkosten oder übermäßiger Abgaben an den Staat - zu niedrig werden, so ist damit zu rechnen, daß der Anreiz für eine unternehmerische Betätigung verloren geht. Die Konsequenz sind eine rückläufige Zahl von Unternehmens-neugründungen und geringere Investitionen (zumindest in Deutschland), weil Investitionen in neue oder bestehende Unternehmen nur vorgenommen werden, wenn ihre erwartete Rendite höher ist als die Rendite der relativ sicheren Anlage in Termingeld oder Staatsanleihen. Eine geringe Investitionstätigkeit wiederum senkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, es werden weniger neue Arbeitsplätze geschaffen und eine positive Entwicklung unseres Wohlstands wird gebremst.

Aus betrieblicher Sicht ist es prinzipiell interessant, nach Möglichkeiten zu suchen, den Gewinn zu steigern. Definitionsgemäß ergibt sich der Gewinn als Differenz aus Umsatz und der Summe aller Kosten. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es interessant zu betrachten, welche Faktoren eine gesamtwirtschaftlich so wesentliche Komponente wie die Gewinne beeinflussen.

Gemäß einer Untersuchung des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (1992) verteilen sich DM 100 Umsatz (inkl. MWSt) in der deutschen Wirtschaft (ohne Landwirtschaft, Banken, Versicherungen und Wohnungswirtschaft) wie folgt:
 
1991
1992
Änderung
Bruttolohn- und -gehaltssumme
33,45
33,82
+ 0,37
Arbeitgeberbeiträge zur Soz.-Vers.
7,54
7,71
+ 0,17
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
4,89
4,97
+ 0,08
Zinskosten
6,79
7,07
+ 0,28
Abschreibungen
8,44
8,80
+ 0,36
Indirekte Steuern (abzgl. Subventionen)
11,14
11,90
+ 0,76
Vorleistungen Ausland
20,01
19,42
- 0,59
Gewinn
7,74
6,31
- 1,43
Quelle: Jahresgutachten 1992/1993 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Entgegen einer in der Öffentlichkeit verbreiteten Meinung bleiben von einer DM Umsatz nur wenige Pfennige Gewinn übrig. Dieser Gewinn unterliegt zudem noch einer im internationalen Vergleich extrem hohen Belastung durch Gewerbe- sowie Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer. Innerhalb der EG liegt der deutsche Körperschaftsteuersatz mit 50 % deutlich an der Spitze (Vergleich: Frankreich 34 %, Großbritannien 33 %). In vielen Branchen der deutschen Wirtschaft liegt deshalb die Umsatzrendite nach Steuern unter 3 %. Da der Gewinn verglichen mit Umsatz und Gesamtkosten also relativ gering ist, haben schon kleine Änderungen dieser Faktoren eine erhebliche Auswirkung auf den Gewinn. Wichtigste Kostenkomponente sind die Personalkosten, die sich aus der Bruttolohn- und -gehaltssumme, dem kalkulatorischen Unternehmerlohn sowie den Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung zusammensetzen und nahezu die Hälfte der Umsatzerlöse ausmachen. Aus obiger Tabelle läßt sich errechnen, daß eine Reduzierung der Personalkosten um 5%, die z.B. durch eine effizientere Arbeitsorganisation erreicht wurde, im Durchschnitt zu einer Gewinnsteigerung von 2,3 Prozentpunkten - also um mehr als ein Drittel - führt. Umgekehrt können schon relativ geringe Anstiege einzelner Kostenkomponenten das Unternehmen in die Verlustzone bringen und so eventuell sogar seine Existenz gefährden.

Um den sich aus der hohen Hebelwirkung ergebenden Chancen und Risiken gerecht zu werden, ist eine systematische und regelmäßige Überwachung der wesentlichen Kostenkomponenten und die systematische Suche nach Kostensenkungspotentialen sinnvoll. Gerade wenn durch externe Einflüsse, wie steigende Steuerbelastung, höhere Sozialversicherungsbeiträge (Pflegeversicherung!) oder ungünstige Konjunkturlage die Umsatzrendite absinkt und womöglich sogar eine Existenzbedrohung des Unternehmens abzusehen ist, müssen die innerbetrieblichen Kostenreduzierungspoteniale genutzt werden. Dies macht nicht nur das einzelne Unternehmen erfolgreicher, sondern - und hier schließt sich der Kreis - trägt zu einem effizienteren Einsatz der volkswirtschaftlichen Ressourcen bei (z.B. kein unnötiger Arbeits- oder Kapitaleinsatz) und erhöht so die gesellschaftliche Wohlfahrt. Das Interesse der Unternehmen nach einer Erhöhung ihres Gewinnes stimmt so weitgehend mit dem gesellschaftlichen Interesse (mehr Wohlstand) überein. Diese Interessenübereinstimmung ist es, die unsere kapitalistische Marktwirtschaft im Vergleich zu den sozialistischen Planwirtschaften so erfolgreich gemacht hat.