Der Export (und nicht der private Konsum) wird zunehmend zur wichtigsten Stütze der deutschen Wirtschaft. Die mit zunehmender Arbeitslosigkeit verbundene Wachstumsschwäche der Wirtschaft ist kein temporäres Problem, dem mit primär nachfragesteigernden (key nesianischen) Maßnahmen begegnet werden könnte. Bei hohen Arbeitskosten, bürokratischen Hemmnissen und niedriger Unternehmensrentablität verliert der Standort Deutschland gerade bei Zukunftstechnologien zunehmend an internationaler Bedeutung. Der Anteil te chnologischer Spitzenprodukte an den deutschen Gesamtexporten sinkt. Überdies beschränken sich die deutschen Exporterfolge zunehmend auf den EU-Raum; der Weltexportanteil Deutschlands ist seit 1987 von 13,2% auf 10,5% gesunken. Ausländische Direktinvestiti onen in Deutschland machten im Zeitraum 1986 bis 1994 nur bescheidene 17,7 Mrd. US$ aus (zum Vergleich: USA 389 Mrd. US$), was bei einer weltweit führenden Gesamtsteuerbelastung von 62,3% des einbehaltenen Gewinns einer Kapitalgesellschaft kaum verwundert. Zudem hinkt Deutschland beim strukturellen Umbau der Wirtschaft von der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft hinter anderen Staaten (z.B. USA) - her, weil die hohen Arbeitskosten das Entstehen von neuen Dienstleistungsarbeitsplätzen b ehindern. Hier wirken hohe Sozialabgaben und vergleichsweise zu hohe Lohnforderungen für relativ einfache Dienstleistungen zusammen. Bei einer immer höheren Mobilität von Kapital, Arbeitskraft und Wissen (z.B. über das Internet) stehen immer mehr Teile der deutschen Wirtschaft in unmittelbarem Wettbewerb mit dem Ausland; Inseln mit überhöhten Löhnen werden immer mehr verschwinden.
Das moderate Wachstum in 1997 wird nicht ausreichen, um die Arbeitslosenquote zu reduzieren. Für eine langfristig deutlich höhere Wachstumsrate sind institutionelle Veränderungen erforderlich. Der von K.R. Holmes und M. Kirkpatrick vorgelegte 1997 Index o f Economic Freedom belegte einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen dem realen Wirtschaftswachstum (im Zeitraum 1983-1994) und der wirtschaftlichen Freiheit eines Staates. Diese Freiheit wird berechnet aus einer Vielzahl von Faktoren zu Handel spolitik, Steuern, bürokratischen Regulierungen, Eigentumsrechten usw. Als besonders freie Volkswirtschaften sind z.B. Singapur, Neuseeland, die USA und Großbritannien anzusehen. Deutschland (Platz 20) hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschle chtert. Neben dem technischen Fortschritt und dem Arbeitseinsatz ist gemäß der neoklassischen Wachstumstheorie insbesondere der Produktionsfaktor Kapital entscheidend für das Wirtschaftswachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Bei einer Umsatzrend ite von nur 1,5% in Deutschland (1994) im Vergleich zu 5,3% in den USA und 6,6% in Großbritannien wundert es nicht, daß das Kapital nicht bevorzugt in Deutschland investiert wird. Es muß in diesem Zusammenhang auch daran erinnert werden, daß eine investiti onsfördernde Standortpolitik - auch wenn sie zunächst mit einem Abbau liebgewonnener sozialer Leistungen verbunden ist - letztlich auch den Arbeitnehmern zugutekommt: die erzielbaren Löhne und Gehälter orientieren sich volkswirtschaftlich an der Grenzprod uktivität der Arbeit und diese steigt mit zunehmender Kapitalausstattung der Arbeitsplätze.